Boxen auf dem Berg – ein Sozialprojekt zur Förderung der Integration

Seit September 2005 wird in den beiden Bergstatteilen das Pilotprojekt „Boxen auf dem Berg” angeboten. Dabei haben Jugendliche ab 12 Jahren die Möglichkeit, sich bei erfahrenen Trainern Anleitungen zum Boxsport zu holen, sich mal so richtig auszutoben, auch mal die angestauten Aggressionen heraus zu lassen.

Sie heißen Gottlieb, Alexander und Michael. Manchmal verrät ein Vorname wie Dimitri, dass viele Spitzenboxer im Deutschen Boxverband in einem Land der früheren Sowjetunion geboren sind. Es sind Jungs aus Spätaussiedler-Familien mit deutschen Vorfahren – meist fleißig, diszipliniert und leistungsbereit wie die vielen türkischen, tschechischen, polnischen und brasilianischen “Gastarbeiter” im Fußball. Durch Erfolg im Sport gelingt Integration. Hier setzt das Sozialprojekt “Boxen auf dem Berg” an: In den Stadtteilen Boxberg und Emmertsgrund bekommen Kinder und Jugendliche die Chance, durch die Arbeit mit Boxtrainern Frust abzubauen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Jugendliche mit Migrantenhintergrund fühlen sich ausgegrenzt, oft können sie nicht richtig Deutsch sprechen. Nicht nur schlechte schulische Leistungen können die Folge sein. Viele bleiben dauerhaft unter sich. „Boxen auf dem Berg” will ansetzen, noch bevor eine Perspektivlosigkeit in Kriminalität oder Drogenmissbrauch mündet. Zu diesem Zweck gibt es auch einen pädagogischer Begleiter, selbst auch Boxtrainer. Tom Schneider gehört zum Coach-Team. Aggressionen am Sandsack abbauen, Fair-Play-Verhalten und Umgangsregeln erlernen sowie Respekt vor dem Gegenüber einüben: Das sind nur einige Stichworte aus dem Katalog der Projektziele.

Die Ziele des offenen Sportangebots sind aber weiter gesteckt als nur Sport zu treiben. Jugendliche, die hier teilnehmen, sollen neben der sportlichen Betreuung die Möglichkeit erhalten, Aggressionskontrolle zu erlernen, ihr Selbstbewusstsein zu stärken, an bestehende Angebote in den Stadtteilen herangeführt zu werden, an Präventionsangeboten teilzunehmen oder auch einfach Unterstützung bei Sorgen und Nöten zu erhalten.

Als Partner sind dabei:

  • Stadt Heidelberg Jugendamt/ Jugendzentrum Emmertsgrund
  • EVAG Jugendzentrum Holzwurm Boxberg
  • Olympiastützpunkt Rhein-Neckar
  • Internationaler Bund
  • Polizeidirektion
  • Waldparkschule
  • Sicheres Heidelberg e.V.

Derzeit nehmen bis zu 12 Jungs regelmäßig am an dem offenen Sportangebot teil und es hat sich bereits eine starke Bindung an die Trainer entwickelt. Die sportliche Leitung liegt beim Olympiastützpunkt, der wahrlich mit dem ehemaligen Kadettenweltmeister Vladimir Plettnev keinen Unbekannten ins Rennen geschickt hat.

Geboxt wird derzeit immer donnerstags nachmittags 15.30 Uhr in der Sporthalle der Hotelfachschule. Wer mindestens 12 Jahre alt ist und teilnehmen möchte kann sich mit Frau Kumm vom Treff Miteinander, Herrn Ritter vom JuZ Emmertsgrund oder Herrn Smolka vom JuZ Holzwurm in Verbindung setzen.

Wer weiß, vielleicht taucht der Name eines der Jungen von „Boxen auf dem Berg” einmal auf der BCO-Kaderliste auf.